Anusara Yoga ist eine Form des Hatha Yoga, bei dem der Körper in kraftvollen Stellungen gedehnt und energetisiert wird. Dieser junge Yogastil wurde in den 90er Jahren in den USA geprägt und folgt biomechanischen Ausrichtungsprinzipien sowie einer lebensbejahenden, freudvollen Philosophie. Lalla und Vilas Turske hat dieses Yoga vor ca. 20 Jahren so inspiriert und auch von körperlichen Schmerzen befreit, dass sie dem Ruf gefolgt sind, Anusara Yoga nach Deutschland zu bringen.

Die wesentlichen Säulen von Anusara Yoga

Das wichtigste im Anusara Yoga ist die geistige innere Haltung, eine Frage der positiven Einstellung und der Offenheit im Herzen. Im Einklang mit dieser geistigen Haltung folgt die körperliche Ausrichtung, die entsprechend der 5 universellen Prinzipien der Ausrichtung, ein systematisiertes und sicheres Bewegen ermöglicht. Das Bewusstsein über die innere Haltung und das Wissen um die Ausrichtung führen dann in eine Yogapraxis, geprägt von Klarheit, Freude und Leichtigkeit.

Shri

In Bezug auf die geistige innere Haltung geben drei Konzepte aus der Yogaphilosophie Orientierung. „Shri“ meint „das Gute sehen“ damit ist nicht gemeint, sich die Welt schönzureden. Dem Konzept von Shri liegt vielmehr das Vertrauen zugrunde, dass die Allem unterliegende Ordnung eine intrinsisch Gute ist. In Bezug auf die eigene Yogapraxis stehen z.B. oft negative Glaubenssätze wie „ich kann das nicht“ im Weg. Die Beschäftigung mit Shri kann helfen sich der Wahl der Einstellung bewusst zu werden. Aus „ich kann das nicht“ wird dann zum Beispiel „ich kann das noch nicht“ und es kann Freude und Gefallen am eigenen Lernprozess entstehen. In Bezug auf das Leben auch jenseits der Yogamatte kann Shri uns demütiger machen. Wir müssen dann nicht mehr immer alles besser wissen und beurteilen, sondern wir können uns daran orientieren, was wir lernen können, an dem was uns gerade widerfährt.

Satya

Hier fügt sich auch das zweite philosophische Konzept im Anusara Yoga, „Satya“, ein. Satya wird häufig mit „Wahrhaftigkeit“ übersetzt, bedeutet in der wörtlichen Übersetzung jedoch eigentlich „das was ist“. Dieses Konzept schult uns, gut hinzuschauen und achtsamer zu werden. In der Yogapraxis hilft Satya beispielsweise den Fokus von den anderen, auf sich selbst zu lenken, es hilft uns aus dem Vergleichen und aus den Ansprüchen „wie etwas sein sollte“ rauszukommen und führt uns zu immer mehr Annahme dessen, was ist. Das macht uns in der Wahrnehmung differenzierter und im Gemüt gelassener.

Svatantrya

„Svatantrya“ heißt schließlich „das, was Freiheit fördert.“ Gemeint ist hier eine innere Freiheit, also innerlich weniger gebunden zu sein durch Rollen, Muster und Gedanken. In diesem Sinne orientiert sich die Anusara-Yogapraxis an einem freiheitsfördernden Prozess, sie macht uns freier von limitierenden Gedanken und von Zweifeln.

Körperliche Ausrichtung durch klare Orientierung im Anusara Yoga

Auf der körperlicher Ebene wird die heutige Lebensweise des westlichen Menschen, mit allen körperlichen Begleiterscheinungen, in den Fokus genommen. Daher fließen in die Form der körperlichen Ausrichtung Erkenntnisse aus der Biomechanik ein. Ergänzt werden diese durch Wissen um Energie. All dies wird zusammengeführt in den 5 universellen Prinzipien der Ausrichtung sowie den 7 Paaren der Loops. Dieses System gibt prinzipielle Orientierung in jeder Yoga-Haltung (Asana).

Die Basis einrichten

Das erste der fünf Prinzipien dient dazu, in jeder Stellung eine standfeste physische Basis zu schaffen, dies geschieht über die Teile des Körpers, die mit dem Boden verbunden sind. Außerdem hilft uns das erste Prinzip, geistig empfänglich in die Yogapraxis zu gehen.

Durch ein kurzes Innehalten wird die Asana dann weicher, die Verletzungsgefahr reduziert sich, jetzt kann alles entstehen.

Kraftvoll und getragen durch Mitte und Fokuspunkte

Für die Anwendung der Prinzipien braucht es außerdem das Wissen um Mitte und Peripherie. Wir haben im Anusara-Yoga das Bild einer klar definierten, imaginären Mittellinie, die uns durch die Asana-Praxis trägt. Auf dieser Linie gibt es 3 Punkte, die so genannten Fokuspunkte, die jede Yoga-Haltung energetisch halten. Aus der Peripherie ziehen wir Energie zur Mittellinie und dann genauer zu einem Fokuspunkt hin. Dieser Vorgang, das 2. Prinzip, nennt sich muskuläre Energie. Lalla und Vilas haben das Prinzip mit der „kontrahierenden Energie“ betitelt, was die Wirkung noch differenzierter beschreibt: Die Energie kontrahiert zur Mitte, zum Fokuspunkt und bringt eine Grundspannung in den Körper.

Dehnfähigkeit und Beweglichkeit

Nachdem mit dem ersten Prinzip also eine standfeste Basis geschaffen wurde, entsteht durch das zweite Prinzip ein Gefühl von Stabilität und Sicherheit. Die Antwort auf diese Kontraktion ist die Expansion, die expandierende Energie, das 5. Prinzip. Nachdem der Körper kompakt, sicher und geschützt ist, darf die Energie vom Fokuspunkt bis in die Peripherie expandieren. Aus einem sicheren Gefühl können wir uns dann oftmals auf einmal sehr viel tiefer in einer Yogahaltung ausdehnen.

Schutz und Sicherheit für den Körper

Das dritte und vierte Prinzip, die innere und äußere Spirale schützen den unteren Rücken in Rückbeugen. Deutlicher wird diese Wirkung in den von Lalla und Vilas neu geprägten Begriffen der weitenden und manifestierenden Spirale: Die Weite schützt, im unteren Rücken wird nichts geklemmt und die Manifestation erhält diese Weite. So werden Verletzungen verhindert und Haltungsschäden verringert. Neben den 5 universellen Prinzipien der Ausrichtung helfen dann schließlich die 7 Paare der Loops bei der Feinausrichtung des Körpers, schützen die Gelenke und machen die Praxis mit der Zeit immer müheloser und leichter. Auch wenn das System zuerst komplex erscheint, mit dieser Form der Praxis wird jede*r mit der Zeit körperlich kräftiger und gewinnt an Mut und Zuversicht durch das Wissen im Umgang mit sich selbst.

Philosophie des Tantra

Übersetzt werden kann Anusara mit „der Höheren Energie fließen“ oder oft auch mit „dem Herzen folgen“. Dem Yogastil liegt die tantrische  Philosophie bzw. die Philosophie des kaschmirischen Shivaismus zugrunde.

Die wörtliche Übersetzung von „Tantra“ ist der „Webstuhl“, sinnhaft lässt sich Tantra mit dem „alles durchwebenden Faden“ übersetzen. Das, was alles durchwebt, ist entsprechend Tantra, die höhere Energie. Diese Höhere Energie, das Göttliche, Shiva oder der Makrokosmos wird im Tantra als real erfahrbar begriffen. Dieser Makrokosmos drückt sich im Mikrokosmos aus: Jeder von uns, jeder Ausdruck irdischen Lebens, trägt somit einen göttlichen Funken in sich. Damit rückt dieses Weltbild den Menschen ins Zentrum: In dem was uns real im Leben begegnet, dürfen wir diese höhere Energie erfahren. Diese Erfahrung macht uns freier von Zweifeln, ruhiger im Inneren und freudiger im Leben. Anusara Yoga begleitet diesen Weg, unserer wahren Natur näher zu kommen.

Die ersten Anusara Yogalehrer*innen in Deutschland

Lalla und Vilas haben Anusara Yoga vor etwa 20 Jahren nach Deutschland gebracht. Mit der Eröffnung der ersten deutschsprachigen Anusara Yogastudios, City Yoga, in Berlin haben sie sowohl langjährigen Yoginis und Yogis wie auch Yogabeginnern eine neue, sinnvolle Form von Yoga in den Alltag gebracht.

Anusara Yoga kennenlernen

Die hohe Nachfrage hat die Beiden dann veranlasst, die ersten Anusara Yogalehrer*innen in Deutschland auszubilden. Dieser Prozess hat 2004 begonnen und spiegelt sich heute in dem von den Beiden verfassten Lehrbuch „Yoga – Inspiration und Orientierung“, in vielen Jahren der Lehrerfahrung und in etlichen wunderbaren Anusara Yogalehrer*innen wider. Trotzdem ist es Lalla und Vilas bis heute ein Anliegen immer auch mit der Basis, das heißt auch mit Yoga-Praktizierenden und Yoga-Interessierten die (noch) keine Ausbildung anstreben in Form von Klassen, Workshops und Retreats in Verbindung zu bleiben.

Anusara Immersion und Yogalehrer*innen Ausbildung

Neben den Klassen, Workshops und Retreats ermöglicht vor allem auch die Anusara Immersion, das Anusara System für sich so tief zu begreifen, dass es die eigene Yoga-Praxis nachhaltig verändern kann. Lalla und Vilas unterrichten die Immersion in unterschiedlichen Formen verteilt über Wochenenden sowie auch im Retreat-Charakter im Rahmen einer Sommer- und Winterakademie. Die Immersion bildet die Grundlage der Anusara Yogalehrer*innen Ausbildung und ist gleichzeitig offen für jede*n Yoga-Interessierte*n, denn es geht in diesem Vertiefungs-Lehrgang noch gar nicht um das Unterrichten, die Weitergabe von Yoga, sondern erstmal darum, ganz für sich in dieses wunderbare Anusara einzutauchen und sich dabei von Lalla und Vilas geleitet und begleitet zu wissen.

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